Berliner Toiletten für Millionen

Berliner Toiletten für Millionen


... also nicht unbedingt für Millionen Menschen, sondern für Millionen Euro.

Berliner Toiletten für Millionen

Von Stephan Friedrichs

Irgendwie hat durch die Zeit des Corona-Ausnahmezustands sowie eines realen Krieges und den Beginn einer realen großen Krise die klassische Provinzposse etwas gelitten. Zwar werden deutsche Verwaltungen immer noch Entscheidungen von großem realsatirischen Unterhaltungswert treffen, aber sie erreichen viel seltener als früher ein überregionales Echo. Wer wirklich Bedarf an klassischer Provinzpossen-Unterhaltung hat, für den gibt es einen Ort, an dem er immer fündig werden wird: die deutsche Hauptstadt Berlin.

Solche Gedanken beschleichen einen dieser Tage beim Medienkonsum abseits der gängigen großen Themen, denn die sorgen ja nur für schlechte Laune. In der Gute-Laune-Abteilung finden sich dann Schlagzeilen, die so klingen, wie einst über dem traditionellen Aprilscherz-Artikel. So meldet rbb24.de unter der Überschrift: „Berlin will kostenlose gendergerechte Toiletten in Grünanlagen testen“, dass die Hauptstadt 2,6 Millionen Euro ausgeben will, um 24 Urinale zu errichten. Das macht gut 108.000 Euro pro Urinal.

Vielleicht kann ich mit der Geschwindigkeit, in der in diesen Inflationszeiten die Baukosten steigen, nicht mehr mithalten und nur deshalb kommt mir das etwas teuer vor. Ich will das wirklich nicht ausschließen. Zumal man dafür ja nicht irgendein Urinal bekommt, sondern ein gendergerechtes. Das Geld dafür hat der Haushaltsausschuss des Abgeordnetenhauses in der letzten Woche aus dem Innovationsförderfonds bereitgestellt. Die Gender-Pissoirs im Grünen werden in der Stadt des gesellschaftlichen Fortschritts selbstverständlich gerecht verteilt: Jeder Bezirk bekommt zwei.

Bemerkenswert ist auch dieser Teil der Meldung:

„Wie die Senatsverwaltung für Umwelt dem rbb am Freitag mitteilte, sei im Rahmen eines Projektes der Aufbau sogenannter autarker Toiletten geplant. Autark, weil sie ohne Wasser- und Stromanschluss funktionieren, aber auch keine Chemietoiletten sein sollen. So sollen "bisher unterversorgte Gebiete im Berliner Grün mit öffentlichen Toiletten" bestückt werden, heißt es in der Mitteilung.“

Also die kostenlos benutzbaren Toiletten brauchen keinen Strom und kein Wasser, sind aber auch keine Chemieklos? Wie funktionieren sie dann? Sind es einfach nur bessere Dixie-Klos?

Vielleicht bin ich ein wenig überempfindlich, aber ich will mir lieber nicht genau ausmalen, wie diese Gender-Urinale in Berliner Grünanlagen nach kurzer Zeit aussehen, von der Geruchsmarke ganz zu schweigen. Vielleicht bin ich zu phantasielos, aber ich würde erwarten, dass sich diese Toiletten bald in einem Zustand befinden, der Menschen mit Notdurft eher an den nächsten Baum oder ins nächste Gebüsch treibt, selbst wenn das nicht gendergerecht genug sein sollte.

Aber kommen wir vom Unappetitlichen wieder zum Unterhaltsamen. Schön ist schließlich auch die Formulierung folgender Ankündigung: „Geplant sei auch, ‘Urinale für Frauen unterschiedlicher Bauart’ zu erproben.“

Das klingt jetzt nicht ganz gendergerecht, aber doch so, dass man sich besser eines Kommentars enthält.

Am Ende des Berichts erklärt die grüne Umweltsenatorin Bettina Jarasch immerhin, warum die Toiletten so teuer sind: Sie müssten saubergehalten werden. Es sind also gar nicht so teure Baukosten, wie ich vor wenigen Absätzen noch befürchtet habe. Und bis die gut 108.000 Euro pro Urinal aufgebraucht sind, sind sie vielleicht auch noch ganz ansehnlich.

Aber noch weiß sicher niemand genau, wann das sein wird. Das Projekt muss erst einmal ausgeschrieben werden.


Autor: AchGut
Bild Quelle: Symbolbild


Dienstag, 24 Mai 2022

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