Siegeszug einer Sportart : Einst galt Frauenfußball als unmoralisch

Siegeszug einer Sportart : Einst galt Frauenfußball als unmoralisch


Das hatte wohl niemand erwartet, geschweige denn vorausgesagt – dass Frauenfußball in Deutschland von Millionen über Millionen im Fernsehen angeschaut wird.

Siegeszug einer Sportart : Einst galt    Frauenfußball als unmoralisch

Von Wolfgang Will

Doch genau das zeigen die unglaublichen Einschaltquoten bei der Europameisterschaft der Frauen. Dabei galt diese Sportart noch vor gar nicht all zu langer Zeit als unmoralisch – glaubt man`s?

Frauenfußball im heutigen Stil hat in Deutschland akademische Wurzeln. Es waren junge Studentinnen in Berlin und München, die 1920 Fußball spielten wie die Männer, wobei zu berücksichtigen ist, dass es um diese Zeit in Deutschland kaum 1 000 Studentinnen gab – richtig :  weniger als eintausend. Das sei „moralisch verwerflich“, beschwerte sich damals der Deutsche Turnbund, er nahm ausdrklich Anstoß an „den kurzen Hosen“.

Viel, viel später sollte es sogar noch spießiger werden. Als die deutschen Männer 1954 die Weltmeisterschaft gewonnen hatten, wurde urplötzlich wieder Frauenfußball an den Pranger gestellt – obwohl es da schon Dutzende sogar gut spielender Vereine gab. Der DFB (Deutscher Fußball Bund) beschloss 1955 auf seinem Verbandstag, seinen angeschlossenen Vereinen zu verbieten, Frauenfußballvereine zuzulassen, zu gründen oder ihnen Sportstätten zur Verfügung zu stellen. Regelrecht absurd und abenteuerlich klingt die Begründung :  „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut. Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand“.

Doch längst war die Entwicklung über die Schlagfertigkeit der DFB-Funktionäre hinweg gegangen. Dafür hatten wieder Akademikerinnen gesorgt. Sie hatten schon 1922 die ersten „Deutschen Hochschulmeisterschaften im Frauenfußball“ organisiert.Das einzige Dokument dazu stammt aus dem Jahr 1927. Damals besiegte eine Münchener Auswahl die Berliner Elf 2 : 1. Der erste deutsche Damen-Fußball-Club wurde 1930 in Frankfurt/Main gegründet. Im Ausland, etwa England und den USA, war das schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) erfolgt. Teil des olympischen Programms ist Frauenfußball seit 1996.

Schon im 12. Jahrhundert beteiligten sich Frauen in Frankreich an einem Spiel , das „la sioule“ hieß. Das gilt als Vorläufer des heutigen Fußballs. Bei den Eskimos spielten Frauen schon um 1300 mit den Männern Ball – mit den Füßen.

Wirklich „Fußball“ für Frauen gibt es seit 1895 in England. Nachweislich durch den „British Ladies Football Club“, Chefin war Nettie Honeyball.

 

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Archiv


Sonntag, 31 Juli 2022

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