Adventskalender Ihre Geschichte beginnt in einem Waisenhaus

Adventskalender Ihre Geschichte beginnt in einem Waisenhaus


Es existiert in Hamburg auch heute noch unter dem Namen „Rauhes Haus“. In ihm beginnt 1838 die Geschichte der Adventskalender. Hausherr war damals war der evangelische Pfarrer Johann Heinrich Wichern. Er hatte dieses „Knabenrettungshaus“ für Waisen gegründet, nahm aber auch Kinder sehr armer Familien auf oder auch solche, die straffällig geworden waren oder von ihren oft oft ledigen Müttern einfach „abgegeben“ wurden. Aus dieser „rauhen“ Wirklichkeit sollten die Kinder geholt und „familiengemäß“, so Wichern, großgezogen werden und schließlich einen Beruf erlernen.

Adventskalender  Ihre Geschichte beginnt  in einem Waisenhaus

Von Wolfgang Will

Diesen Pfarrer,so ist überliefert, nervten etwa ab November immer wieder Fragen der Kinder wie „Wann ist denn Weihnachten?“ oder auch direkter „Wann kriegen wir denn die Weihnachtsgeschenke?“ Er besorgte sich also ein großes Wagenrad und einen hölzernen Kranz und steckte darauf 20 kleine rote und vier größere weiße Kerzen.  Bei den täglichen Gottesdiensten durften die Kinder jeweils eine rote und   sonntags zusätzlich eine weiße Kerze anzünden – und auf diese Weise konnten die Kinder sehen, wann der Weihnachtsmann kommen wird.

 

 Dieser Brauch des Hamburger Pfarrer hatte sich schon um 1840, also durchgesetzt nur vier Jahre nach dem Wagenrad, in ganz Deutschland, wobei die Phantasien nahezu grenzenlos waren:

 

So wurden in Familien nach und nach 24 Bilder mit weihnachtlichen Motiven an die Wand gehängt, wobei vor allem in Mitteldeutschland die Kinder direkt involviert wurden – indem sie die Motive malen durften oder mussten. Vielfach auch malten die Eltern 24 Kreidestriche an die Haustür, vier davon besonders lang – die Adventssonntage. Täglich durften die Kinder in diesem Fall einen der Striche wegwischen. In ganz Europa sehr verbreitet war das „Adventsbäumchen“. Das war ein großer Holzzweig oder auch ein in Heimarbeit hergestelltes hölzernes Gestell, an das die Kinder täglich einen auf Papier gekritzeltes weihnachtliches Bild malen mussten – um es dann an dem „Bäumchen“ aufzuhängen. Auch eine große Kerze diente vielfach als Adventskalender. In sie wurden in kleinen Abständen 24 Striche geritzt – täglich brannte der Docht bis zum darunter  sichtbaren Strich. In Österreich gab es die „Himmelsleiter“. Auf der  obersten Sprosse saß eine Christkindspuppe, die Tag für Tag eine Sprosse nach unten gesteckt wurde. Bis eben zum unteren Leiterende – Heiligabend.

 

Die modernere  Form des Adventskalenders gibt es erst seit 1902.  Damals druckte die evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg eine Weihnachtsuhr mit 24 Feldern, deren Zeiger täglich verstellt wurden. Ein Jahr später druckte der Münchener Verleger Gerhard Lang den Kalender „Im Lande des Christkinds“. Er enthielt 24 Bilder zum Ausschneiden und 24 leere Felder, in die die Kinder die ausgeschnittenen Bilder legten – das alles ergab Heiligabend ein Bild vom weiß gekleideten Christkind.

 

Auch heute blüht die Kalenderphantasie. In Supermärkten, Kaufhäusern und Buchhandlungen gibt es Hunderte Versionen von Adventskalendern. Sie werden millionenfach gekauft. Und es sind keineswegs nur Kinder, die sich daran erfreuen . . .


Autor: Wolfgang Will
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Mittwoch, 23 November 2022

Die Adventswochen und Weihnachten sind traditionell in Deutschland Zeiten des Schenkens.

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