Wem eigentlich gehört die Ukraine - den Einheimischen oder den Russen?

Wem eigentlich gehört die Ukraine - den Einheimischen oder den Russen?


Die moderne Geschichte des ukrainischen Staatswesens begann am 19. Januar 1918, denn an diesem Tag gab es die Wahl zur „Verfassungsgebenden Versammlung der Ukraine“.

Wem eigentlich gehört die Ukraine - den Einheimischen oder den Russen?

Von Wolfgang Will

Ganze zehn Prozent erhielten die Bolschewisten, 70 Prozent der Wahlberechtigten entschieden sich für nationale Parteien der unterschiedlichsten Richtungen und Interessen. Nur drei Tage nach dieser Wahl wurde die volle staatliche Unabhängigkeit der „Volksrepublik Ukraine“ verkündet die hatte jedoch trotz dieses im Grunde genommen irreführenden Staatsnamens nichts mit den diktatorischen Elementen zu tun, die in Russland die Macht ergriffen hatten. Die zettelten deshalb am 29. Januar in Kiew den „Aufstand der Bolschewiki“ an, der jedoch nach schweren Kämpfen am 4. Februar niedergeschlagen werden konnte. Die Bolschewisten gaben aber keineswegs auf, am 7. Februar eroberten sowjetrussische Truppen Kiew.

Damit war es um den unabhängigen Staat Ukraine geschehen – allen derzeitigen Lügen und Verdrehungen eines Sowjet Putin zum Trotz. Der weitere Verlauf der ukrainischen Geschichte zeigt überdeutlich, weshalb die Bevölkerung nichts mit Russland zu tun haben will:

Nach der Eroberung Kiews etablierten die Bolschewisten die „Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik“, ein Vasallengebilde Moskaus. Sie entsandten eine Horde Spezialkräfte, um jeglichen Widerstand zu brechen. Es begann ein Völkermord. Zunächst gab es eine Verhaftungswelle, von der sowohl die bisher Regierenden – bis ins kleinste Dorf - und die Kader der demokratischen Parteien wie auch die Bauern betroffen waren.

Letztere wurden systematisch geradezu vernichtet, weil sie sich massenhaft weigerten, Kolchosen zu gründen oder diesen beizutreten. Sie wollten freie Bauern bleiben! Wie sie es seit Jahrzehnten gewohnt waren. Als erste Maßnahme wurde angeordnet, sämtliche Getreidevorräte der ukrainischen Bauern zu beschlagnahmen. Das geschah, so ein Historiker, „mit Folter und Hinrichtungen“. Da viele Landbewohner diesem Terror durch Flucht in die Städte entgehen wollte, führte die sowjetische Besatzungsmacht eine Meldepflicht für die Bauern ein, ab 27. Dezember 1933 mit Hilfe eines „“Inlandspass“. Am 22. Januar 1934 befahlen Stalin und Molotow, jeglichen Widerstand zu brechen – die Geheimpolizei GPU bekam regelrecht „freie Hand“. Hunderttausende in die Städte geflüchtete Bauern wurden aufs Land zurück gebracht, Tausende Kinder wurden dabei ihren Eltern weggenommen und irgendwo ausgesetzt. Die Mehrheit starb jämmerlich.

Inzwischen hatte der Massenmord ukrainischer Bauern durch inszenierte Hungersnöte eingesetzt – um die Bauern in die Kolchosen zu zwingen. Zunächst musste jeder Hof 30 Prozent seiner Getreideernte kostenlos an den Staat abgeben. Diese Quote wurden ständig erhöht, bis über die Hälfte einer Ernte. Widerstand dagegen wurde brachial gebrochen. Zum Beispiel durch das „Ährengesetz“ vom 7. August 1938. Es sah für jede „Verschwendung sozialistischen Eigentums“ Haft von zehn Jahren bis zur Todesstrafe vor. Binnen 18 Monaten wurden nach diesem Gesetz 125 000 Personen verurteilt, darunter 5 400 zum Tode.

Den durch die Getreideabgaben ausgelösten Hungersnöten auf dem Land fielen sechs bis sieben Millionen Menschen zum Oper – so der Völkermordforscher Gunnar Heinersohn. Aber: Ständig exportierte die Sowjetunion Millionen Tonnen Getreide. Der Devisen wegen. Über all das hatten internationale Journalisten ständig berichtet, der Deutsche Faul Scheffer etwa oder der Amerikaner William Henry Chamberlain.

Durch den Zerfall der Sowjetunion 1999/20 wurde auch die Ukraine wieder frei und selbständig. Niemand weltweit muss sich wundern, wenn die Ukrainer auch angesichts ihrer historischen Erfahrungen vehement Widerstand gegen die Pläne des Sowjet-Putin leisten. Sie wollen nicht „heim ins Reich“ Russland, sondern unabhängig und frei bleiben – eine europäische Demokratie.

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Daniel Kraft, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons


Donnerstag, 24 Februar 2022

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